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Sphäre der Meditation

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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 889 mal aufgerufen
 Hinduismus
Saraswati Offline




Beiträge: 4.864

13.08.2010 12:01
Puja Zitat · Antworten

Am Mittwoch war ich zu einer vedischen Puja einer tamilischen Gemeinde eingeladen.
In einen der, wie es hieß, originalgetreusten hinduistischen Tempel Süddeutschlands.
Wir waren eine Gruppe Deutscher, die sich das mal anschauen konnte.

Von außen war der Tempel eine heruntergekommene Fabrikhalle.
Innendrin zunächst ein schlichter Vorraum zum Schuhe abstellen.
Dort bekamen wir eine erste Einführung und auch ein paar Verhaltensanweisungen
von einer deutschen Frau, die übrigens dieses Jahr auch bei der Kumbh Mela war.

Drinnen, im eigentlichen Hauptraum des Tempels, der Ganesha geweiht ist,
standen verschiedene kleine, geschmückte Steintempel mit den Gottheiten.
Ganesha war da mehrfach vertreten, aber auch Krishna und weitere, ...

Die Halle aber war ganz schlicht gehalten. Grau gekachelter Boden,
die Wände: unrenovierte, verwahrloste Industriehalle.
Die Götterschreine waren innendrin weiß gekachelt, was kühl auf mich wirkte.
Nur die Statuen selber waren üppig geschmückt und die Dächer drüber auch ganz bunt.
Vielleicht bekomme ich noch Fotos, um das besser zu beschreiben.

Der Priester kam rein, eine eindrucksvolle Erscheinung:
Ein strahlendes, kindlich-reines Lächeln im Gesicht,
dunkle, aschebemalte Haut, drei Streifen auf der Stirn,
einen langen Wickelrock um die Hüften und
mehrere Halsketten umgehängt, einen kleinen Dutt am Hinterkopf...

Der war nach kurzer Begrüßung mit seinen Vorbereitungen beschäftigt.
Er spricht kein Deutsch und kaum Englisch.
Wir haben zur Einstimmung ein Ganesha-Mantra gesungen,
angeführt von dieser deutschen Puja-erfahrenen Frau.
Das hat mir ganz gut gefallen.

Dann wurden wir von ihr durch den Raum geführt und bekamen die Figuren erklärt
und den Ablauf der folgenden Puja. Auch gab sie eine kurze Einführung
ins Advaita-Vedanta, um den Zusammenhang zwischen Götterverehrung
und Auflösung der Illusion andeutungsweise klar zu machen.
Wurde alles sehr über den Kopf erklärt, ich kam mir vor wie eine Touristin.

Später kam der Priester mit seinen Utensilien. Musik kam durch Lautsprecher.
Das Ritual wurde abgehalten, über dessen Ablauf Rembrand sicher mehr weiß, als ich.
Jedenfalls bekam jede Gottheit zu Essen und Wasser und Feuer und Blütenblätter
und ein intensiv gesprochenes kompliziertes Mantra und Glöckchenklingeln.

Das dauerte eine gute halbe Stunde und wir waren eher Zuschauer als innerlich Beteiligte,
wahrscheinlich, weil alles so ungewohnt war und keine innere Struktur abrufbar war,
die darin einhakt. Ich versuchte durch innere Stille in die Energie der Handlung zu finden.
Nachdem die Götter alle mit großer Aufmerksamkeit verehrt und beschenkt worden waren,
kamen wir an die Reihe... Ob ich die Reihenfolge noch weiß?

Zuerst bekam man einen Aschepunkt auf die Stirn.
Dann wurde jedem eine Schale mit geweihten Blütenblättern hingehalten,
deren Energie man mit den Händem aufnehmen konnte, um sie ans Herz zu halten.
Dann kam ein Leuchter mit Ölfeuerchen zu jedem, und man konnte sich
die Energie des Feuers mit den Händen nehmen und über den Kopf streifen.
Dann bekam man geweihtes Wasser in die rechte Hand, von dem man zuerst trank
und den Rest über den Kopf strich.
Als nächstes bekam jeder Reis in die rechte Hand, sehr lecker gewürzt,
nennt sich im zeremoniellen Zusammenhang Prasad, und hat das dann gegessen.
Und zum Schluss konnte man sich noch einen roten Punkt aufs dritte Auge tun.

Eindrucksvoll fand ich die Opferung von Kokosnüssen, die zerschlagen wurden,
als Symbol für das Zerbrechen des Egos...

Während der Zeremonie hat sich noch eine tamilische Familie eingefunden,
sehr schön festlich gekleidet und auch wunderbar strahlend,
die einem bestimmten Gott ein Opfer brachten und dann dem Rest der Puja
mit innerer Hingabe folgten.

Für mich war es nicht leicht, in die eigentliche Puja-Energie zu finden.
Ich blieb mehr beobachtend. Nur während der Mantren öffnete sich mehr Gefühl.
Für mein Empfinden war es optisch und akustisch zu laut, um mich gut einzulassen.
Hatte überdies schon einen langen Tag hinter mir...
und es war da die latente Unsicherheit, wegen all dem Ungewohnten.

Ich fand es übrigens jetzt auch ziemlich schwierig erzählend zu beschreiben,
weil das Meiste in meiner Erfahrung keinen Anker und keinen Namen hat
und zunächst nicht passend eingeordnet werden kann.

Aber ich fand das mal toll, an einer originalen Zeremonie teilzunehmen.
Und nachts pulsierte überraschend jede Menge Energie durch alle meine Zellen.
Daraus folgere ich, dass im Tempel einiges auf mich eingewirkt hat,
was mir dort unmittelbar gar nicht bewusst geworden war.

Saraswati

Maraiah Offline




Beiträge: 623

13.08.2010 14:23
#2 RE: Puja Zitat · Antworten

Für mich hört sich das
nach einer Botschaft an.
Vielleicht das das Bewußtsein
also Gott, oder die Energie
nicht an Materielles oder
Vorstellungen gebunden ist.

Wie war das noch ?
Der Wind weht wo er will ! :)

...
.~*~. lg Maraiah .~*~.

Rembrand Offline



Beiträge: 12.696

13.08.2010 22:02
#3 RE: Puja Zitat · Antworten

Tamilen ... Süd-Indien, bzw. auf Sri Lanka.
Bevorzugt wird von Ihnen die große Mutter, nämlich die Löwenreitende Göttin Durga verehrt.
Auch Hanuman ist für sie sehr wichtig. Shiva "rutscht" in ihren Tempeln, anders als in Nord-Indien, oft in den Hintergrund.
Die drei Aschestreifen auf der Stirn des Priesters lassen ihn als Shivaiten erkennen.
Also dürfte Shiva der Hausherr sein.

In Indien habe ich nie einen "sauberen" Tempel gesehen ... auch die Haustempel dienen Gleichzeitig auch als Abstellkammer ... was ich anfänglich als sehr störend empfand ... nachdem mir dies immer wieder auffiel gewöhnte ich mich im laufe der Jahre an diesen Anblick.
In NRW gibt es den angeblich größten Hindutempel Europas. Ich war mal vor zwei Jahren dort ... er wird auch von Tamilen geleitet ... es scheint eine sehr Reiche Gemeinde zu sein ... der Tempel steht in einem Industriegebiet, äußerlich ist er den Südindischen Tempelbauten nachempfunden, doch wirkt er in dem Industriegebiet wie ein Teil eines Vergnügungsparkes ... im inneren ist er peinlich sauber ... die vielen, kleinen Tempelnischen werden häufig geputzt ... sehr ungewöhnlich, der saubere Glanz der Kachelböden und Wände ... die kacheln sind wie in Indien, nur daurt sind sie eingestaubt, Zinnoberspuren, Schmutz aller art ... und die eine oder andere Ratte ist auch zugegen ... in NRW nicht. Ein Tempel für europäisierte Inder. Die Götterfiguren sind relativ frisch gestrichen und wirken wie aus Zuckergeformt ... dennoch ist darin eine angenehme Atmosphäre, die Priester wirkten Arrogant gegenüber den Gläubigen, aber das ist auch in Indien oft so ...
Das "Laute" bei den Hindus ist sehr auffällig ... es ist viel lauter als bei den Buddhisten ... in Indien leider auch mit völlig überdrehten Verstärkeranlagen die jede Melodie zerstören ... aber auch das gehört dazu .. so ist es ...
Das äußenstehen ...
Das Beobachten .... das im außen sein ... irritiert ...
Aber ... selbst beim ersten Mal ... gibt es winzige Momente des Zugangs ... kaum wird man ihnen gewahr, ist man schon wieder draußen ... und ist am schauen ...
Und das Schauen kann erneute wieder einen Zugang herstellen ...
Dann gibt es wieder die Wahrnehmung das die eine oder andere Götterfigur sehr mit Leben erfüllt ist ... tatsächlich lächelt ... oder abwehrt ... man sich hingezogen fühlt oder abgestoßen ... das ist ein persönliches Erleben ... ein jeder für sich ... Während der Puja lädt sich die Atmosphäre im Raum auf .... da kann viel passieren ... die eine oder andere Seltsamkeit vor Ort durfte ich miterleben ...

Rembrand Offline



Beiträge: 12.696

13.08.2010 22:08
#4 RE: Puja Zitat · Antworten

Zitat
weil das Meiste in meiner Erfahrung keinen Anker und keinen Namen hat
und zunächst nicht passend eingeordnet werden kann.


Das ist sehr trefflich ...
Da ist eine Liturgie der Seltsamkeiten ... selbst in der Wiederholung ist sie jedesmal etwas anders.
Daher bei mir der Blick für die Ordnung und Sauberkeit zur Orientierung ... der Tourist ... das Vergleichen was alles anders ist ... längere Zeit durchgehalten, ist erkennbar, das so vieles auf dem Kontinent anders ist ... Grundlage für einen "Kulturschock" ... davon weg kommen und das ganze als eine große Aufführung erleben an der ich teil habe ... dann gehts ...

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